echt im leben - 20. August 2026 - by Mandy Ahlendorf

Wie du dich im Alltag nicht selbst verlierst

Außen wird's nicht ruhiger

Wie du dich im Alltag nicht selbst verlierst (Beate Müller-Seitz im Interview)

Der Tag ist durchgeplant, die Termine stehen, eigentlich könnte alles rund laufen. Und dann reicht eine Nachricht, ein unangenehmes Gespräch oder dieser eine Satz, der Druck auslöst. Plötzlich kippt die Energie. Der Kopf rattert, der Körper wird eng, und ehe wir uns versehen, sind wir wieder komplett im Außen.


Darüber habe ich mit Beate Müller-Seitz gesprochen. Sie kennt große Verantwortung, Überstunden und das Gefühl, trotz Funktionieren immer weiter von sich selbst wegzurutschen. Bis irgendwann klar war: So geht es nicht weiter.


Wir sprechen über ihren Weg aus dem alten Berufsleben, über Intuition und Vertrauen – und darüber, warum ein Nein im Außen manchmal ein sehr klares Ja zu uns selbst ist.

 

Außen wird’s nicht ruhiger

Das Außen wird nicht plötzlich still, nur weil du dir das wünschst. Es wird immer Anforderungen geben, Nachrichten, Erwartungen, Konflikte, Unsicherheiten und Menschen, die etwas von dir wollen. Wer darauf wartet, dass endlich Ruhe einkehrt, wartet möglicherweise sehr lange.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: Wie bekomme ich alles im Außen ruhig? Sondern: Wie bleibe ich bei mir, obwohl es um mich herum gerade laut ist?

Beate beschreibt dieses Abgrenzen als sehr wesentlich. Sie schottet sich nicht vom Leben ab, sondern sie entscheidet bewusst, was sie in ihr System hineinlässt. Sich nicht von jeder Stimmung, jeder Meinung und jeder Aufregung mitziehen zu lassen, ist kein Rückzug aus der Welt. Es ist Selbstverantwortung.

Bewusst im Alltag bei sich bleiben

Bei sich zu bleiben klingt oft groß und spirituell. Im Alltag beginnt es sehr schlicht: Du bemerkst, dass du gerade nicht mehr bei dir bist. Dass dein Herz schneller schlägt, du gereizt wirst, dich rechtfertigst oder gedanklich schon zehn Schritte vorausrennst.

Allein das Erkennen ändert schon viel. Wenn du bemerkst, dass du gerade aus deiner Mitte gefallen bist, dann hast du bereits einen wichtigen ersten Schritt gemacht.

Es geht nicht darum, immer gelassen zu sein. Auch Beate ist nicht jede Sekunde in ihrer Mitte. Aber sie hat gelernt, nicht stundenlang oder tagelang in einem Zustand festzuhängen, der ihr nicht guttut. Sie zentriert sich, erdet sich und erinnert sich bewusst daran, wieder bei sich anzukommen.

War Beate schon immer so positiv?

Bei unserer ersten Begegnung beim Speed Networking war Beates offene, fröhliche Energie sofort spürbar. Deshalb wollte ich wissen: War sie schon immer so positiv oder hat sie sich diese Haltung erst erarbeitet?

Beate sagt, sie sei von Grund auf ein positiver und neugieriger Mensch. Ein Teil davon komme sicher auch aus ihrem Elternhaus. Aber positiv zu sein bedeutet nicht, dass es keine Rückschläge gibt. Die gab es auch bei ihr reichlich. Ihre Haltung ist eher: Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern nach Lösungen suchen. Sie ist überzeugt:

„Es gibt für alles eine Lösung. Man darf nur nicht dort suchen, wo man vorher war.“

Wenn dich eine Situation immer wieder erschöpft, verletzt oder klein macht, dann braucht es den Mut, aus der bekannten Komfortzone herauszutreten und etwas Neues überhaupt erst einmal anzuschauen. Angst gehört dabei oft dazu. Beate sieht Angst nicht als unveränderliche Wahrheit, sondern als etwas, das viele Menschen gelernt haben. Und was antrainiert wurde, kann Stück für Stück auch wieder verlernt werden.

Warum sie keine Nachrichten mehr schaut

Beate schaut seit vielen Jahren keine Nachrichten mehr im Fernsehen oder Radio. Das ist keine Gleichgültigkeit. Was für sie wirklich wichtig ist, erfährt sie trotzdem. Aber sie möchte sich nicht permanent mit negativen Meldungen beschäftigen.

Ihre Mutter, inzwischen 86 Jahre alt, fragt sie manchmal, wie sie denn mitbekommen wolle, was passiert. Beates Antwort ist klar: Sie bekommt mit, was für ihr Leben relevant ist. Nur macht sie nicht jede Krise, jede Katastrophe und jede Schlagzeile zu ihrer inneren Dauerrealität.

Wer sich ständig mit Angst, Drama und Ohnmacht füttert, gerät leicht in ein Hamsterrad. Dann wird aus einem selbstbestimmten Menschen schnell jemand, der sich nur noch ausgeliefert fühlt. Beate setzt ihren Fokus lieber auf das, was sie gestalten kann und was sie wirklich in ihr Leben bringen möchte. Das heißt nicht, dass du nie informiert sein darfst. Es geht um die Frage: Wie viel davon tut dir gut, und wie viel zieht dir dauerhaft Energie?

Der Weg raus aus dem Bürojob

Beate hatte viele Jahre ein ganz klassisches Berufsleben. Nach ihrem Germanistikstudium arbeitete sie 18 Jahre bei einer Tageszeitung, unter anderem als Medienarchivarin und Dokumentarin in leitender Position, später in einem Callcenter. Dort machte sie schnell Karriere und war schließlich zehn Jahre im mittleren Management tätig. Sie verantwortete am Ende 40 Mitarbeitende und zwei Teamleitungen.

Die Arbeit machte ihr in Teilen sogar Spaß. Aber mit der Zeit wurde die innere Diskrepanz immer größer. Ihr fehlten Wertschätzung, offene Kommunikation und die Möglichkeit, neue Ideen umzusetzen. Statt individueller Lösungen gab es immer mehr starre Regeln. Dabei war Beate schon damals überzeugt, dass Menschen nicht über einen Kamm geschoren werden können.

„Jeder Mensch hat etwas Liebenswertes.“

Mit diesem Satz eckte sie im beruflichen Umfeld durchaus an. Doch für sie war das keine romantische Floskel. Es war eine Haltung. Nur weil zwei Menschen nicht gut zusammenpassen, ist keiner von beiden automatisch falsch. Führung braucht Differenzierung, Respekt und einen echten Blick auf den Menschen.

Krankheit, Gesundheit und erste Erfahrungen

Das Interesse an ganzheitlicher Gesundheit hatte Beate schon lange vor ihrer Selbstständigkeit. Als Jugendliche war sie schwer krank. Was zunächst wie ein Nagelpilz behandelt wurde, erwies sich später als eine umfassendere Belastung ihres Körpers. Die üblichen Behandlungen halfen ihr nicht, ihr Zustand verschlechterte sich.

Ihre Mutter begann damals, nach alternativen Wegen zu suchen. Das war zu einer Zeit, in der Naturheilkunde deutlich skeptischer betrachtet wurde als heute. Doch ihrer Mutter war das egal. Sie wollte, dass es ihrer Tochter besser geht. Beate erlebte, dass sich ihr Zustand Schritt für Schritt verbesserte. Für sie entstand daraus eine grundlegende Erkenntnis: Es reicht oft nicht, nur an der Oberfläche etwas zu reparieren. Sie wollte verstehen, wo etwas seinen Ursprung hat und welche natürlichen, ganzheitlichen Möglichkeiten es geben kann.

Diese Haltung begleitete sie später auch als Mutter, Partnerin und Angestellte. Sie las viel, recherchierte und suchte bei Beschwerden zunächst nach Wegen, die über die schnelle Standardlösung hinausgehen. Ihr Mann war anfangs skeptischer, konnte aber mit der Zeit sehen, dass ihr bewusster Umgang mit Gesundheit für die Familie hilfreich war.

Die Begegnung mit Klangcodes

Ein prägendes Erlebnis hatte Beate im Dezember 2017. Sie hatte schon länger Beschwerden im oberen Rücken. Selbst kleine körperliche Tätigkeiten, etwa Fensterputzen, führten bei ihr zu starken Schmerzen und dem Gefühl, danach zahlreiche Massagen zu brauchen. Eine Freundin erzählte ihr von einer energetischen Atlas-Korrektur mit Klangcodes. Beate dachte sich: Sie habe schon so viel ausprobiert, also könne sie auch das noch versuchen.

Während der Anwendung erlebte sie eine intensive körperliche Reaktion. Die Klänge, die gesungen wurden, berührten sie tief. Sie hatte das innere Bild, dass sich etwas in ihrem Körper neu ordnete. Zunächst wollte ihr Verstand das kontrollieren. Dann ließ sie los und erlaubte sich, die Erfahrung einfach da sein zu lassen. Nach der Sitzung war sie erschöpft und schlief zu Hause zwei Stunden tief und fest. Als sie wieder wach wurde, wusste sie: Sie wollte verstehen, wie diese Arbeit funktioniert. 

Der Wendepunkt: „Ich muss da raus“

Die Ausbildung in Klangcodes fand ausgerechnet in einer Zeit statt, in der Beate im Callcenter kaum fehlen konnte. Es gab Urlaubssperre, einen Verkaufspeak und hohe Verantwortung. Trotzdem war der innere Ruf so stark, dass sie einen Weg fand, an der achttägigen Ausbildung teilzunehmen.

Danach war etwas nicht mehr wegzudiskutieren. Beate wusste: So wie bisher wollte sie nicht weiterleben.

„Die Diskrepanz zwischen dem, was in mir war, und dem, was in meinem Außen war, da lagen Galaxien dazwischen.“

Sie wollte den Job verlassen, möglichst bald und unter fairen Bedingungen. Sie hatte 1.200 unbezahlte Überstunden angesammelt und wollte nicht einfach alles hinter sich lassen, ohne dass ihre Leistung berücksichtigt wurde. Sie fasste einen klaren Beschluss, ließ aber offen, auf welchem Weg sich alles ergeben würde. Und dann fügte sich alles Schritt für Schritt. Im April war sie aus dem Unternehmen heraus. Die sechsmonatige Kündigungsfrist wurde für sie zu einer dringend notwendigen Zeit der Erholung. Denn sie erkannte auch: Sie war bereits im Burnout.

Nur noch tun, was sich richtig anfühlt

In dieser Übergangszeit traf Beate eine mutige Vereinbarung mit sich selbst:

„Ich mache ein halbes Jahr nur, worauf ich Lust habe.“

Es war ein konsequentes Training, wieder zu spüren, was sie wirklich wollte und was nicht. Wenn ihr etwas nicht entsprach, sagte sie Nein. Wenn etwas stimmig war, ging sie dem nach. Parallel absolvierte sie eine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin. Nach einigen Monaten machte sie sich selbstständig. Aus einem ersten Rahmen entwickelte sich über die Jahre ein eigenes Konzept. Für Beate war diese Zeit wichtig, weil sie nach vielen Jahren äußerer Taktung wieder selbst bestimmen konnte. Kein Büro, in dem morgens jemand festlegt, was zwingend abzuarbeiten ist. Stattdessen die Frage: Was ist heute wirklich dran?

Herzöffnung und warum viele Menschen sich verschließen

Herzöffnung ist heute eines von Beates großen Themen. Sie beobachtet, wie viele Menschen innerlich zumachen. Verständlicherweise, denn Verletzungen, Verluste, Traumen und Enttäuschungen hinterlassen Spuren. Ihre Urgroßmutter sagte schon: Unter jedem Dach ein Ach. Jeder Mensch trägt eine Geschichte. Doch die Frage ist, was daraus entsteht. Wird das Herz immer fester verschlossen? Oder darf es, trotz allem, irgendwann wieder weicher werden?

Beate glaubt, dass Herzöffnung möglich ist. Nicht von jetzt auf gleich und nicht durch einen einzigen schönen Satz. Es ist ein Prozess. In ihrer Arbeit nutzt sie unter anderem Klangcodes, Übungen zur Herzöffnung und spirituelle Ansätze, die für sie mit Bewusstsein, Körperwahrnehmung und innerer Ausrichtung verbunden sind. Ihr geht es dabei nicht darum, Schmerz schönzureden. Ein offenes Herz bedeutet nicht, dass du alles hinnehmen musst. Es bedeutet, dich selbst und das Leben nicht dauerhaft aus Angst auszusperren.

Warum Veränderung Mut braucht

Neue Wege beginnen selten mit völliger Sicherheit. Beate war vor ihrem beruflichen Umbruch nicht zum ersten Mal unzufrieden. Der Wunsch nach Selbstständigkeit war längst da, aber ihr Alltag war so voll, dass kaum Raum blieb, um klar zu spüren, was sie eigentlich wollte. Zehn Stunden Arbeit am Tag, fehlende Mittagspausen, Fortbildungen und immer neue Anforderungen. Ein Working Lunch bleibt eben eine ausgefallene Pause, egal wie modern der Begriff klingt.

Veränderung braucht Mut, weil sie dir nicht immer sofort sagt, wie alles ausgeht. Aber sie braucht auch Ehrlichkeit. Was kostet es dich, wenn du bleibst? Was passiert, wenn du weiter in einer Situation funktionierst, die dich innerlich ausbrennt? Beate spricht nicht davon, leichtfertig alles hinzuschmeißen. Sie spricht davon, hinzuhören, wenn dein Inneres immer deutlicher sagt: Hier stimmt etwas nicht mehr.

Burnout, Überforderung und Signale des Körpers

Der Körper sendet Signale, lange bevor nichts mehr geht. Bei Beate waren es unter anderem dauerhafte Erschöpfung und Erkältungen, die oft genau dann kamen, wenn sie Urlaub hatte. Sobald der Druck nachließ, holte sich ihr Körper die Ruhe, die er vorher nicht bekommen hatte. Viele kennen das: Endlich ist frei, und dann liegst du krank im Bett. Das ist keine Schwäche. Es kann ein Zeichen dafür sein, dass dein System viel zu lange über seine Grenzen gegangen ist.

Beate formuliert es sehr deutlich: Der Körper zeigt dir, wenn Schluss ist. Er stellt ein Stoppschild auf. Und wenn du es dauerhaft ignorierst, kann es richtig ernst werden.

Diese Stoppsignale können unterschiedlich aussehen:

  • ständige Müdigkeit und innere Leere
  • häufige Infekte oder Beschwerden in Ruhephasen
  • das Gefühl, nur noch zu funktionieren
  • Reizbarkeit, Schlafprobleme oder fehlende Freude
  • das Gefühl, im eigenen Leben nicht mehr vorzukommen

Solche Zeichen verdienen Aufmerksamkeit, ehrliches Hinschauen und gegebenenfalls auch professionelle Unterstützung.

Ins Vertrauen gehen und neue Wege zulassen

Als Beate ihren Ausstieg beschloss, wusste sie nicht, wie genau er gelingen würde. Aber sie war tief davon überzeugt, dass sie rausmusste. Sie gab diese Entscheidung, wie sie es beschreibt, bewusst ins Feld und sagte innerlich: Ich nehme an, was kommt, aber ich gehe jetzt. Dieses Vertrauen bedeutet nicht, passiv zu warten. Beate betont immer wieder, dass du selbst etwas tun musst. Der erste Schritt kann klein sein. Ein Gespräch, eine Recherche, ein Termin, eine Bewerbung, ein Nein oder die Entscheidung, dir Unterstützung zu holen.

Manchmal hilft es, eine Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Im Coaching nennt man das Reframing. Du kannst innerlich einen Schritt zurücktreten und dich fragen: Was passiert hier eigentlich? Wie sieht die Situation von außen aus? Welche Rollen sind beteiligt? Welche Möglichkeiten sehe ich gerade noch nicht? Und wenn du allein nicht weiterkommst, darfst du dir Hilfe holen. Ein gutes Coaching, Mentoring oder therapeutische Begleitung kann dabei unterstützen, Dinge klarer zu sehen. Wichtig ist, dass du dich ernst genommen fühlst und nicht in ein fertiges Schema gepresst wirst.

Nicht wieder in neuem Hamsterrad landen

Ein neuer beruflicher Weg löst nicht automatisch alle alten Muster. Auch in der Selbstständigkeit kann aus Freiheit schnell wieder Überforderung werden. Gerade wenn die Euphorie groß ist, entsteht leicht das nächste Hamsterrad, nur diesmal mit dem eigenen Logo darauf.

Freiheit und Verlässlichkeit schließen sich nicht aus. Die Kunst liegt darin, einen Rahmen zu schaffen, der dich trägt, statt dich wieder zu versklaven. Beate hat sich selbst Unterstützung geholt, etwa beim Thema Sichtbarkeit und Social Media. Ihr Handwerk beherrscht sie, doch digitale Plattformen waren für sie zunächst Neuland. Ihre Haltung dazu ist angenehm unkompliziert: Sie kann einen Bildschirm nicht sprengen und auch nicht das ganze Internet kaputtmachen. Also probiert sie einfach aus.

Auf die eigene Intuition hören

Beate blickt am Ende eines Jahres auf das, was gut gelaufen ist. Nicht zuerst auf Fehler, nicht auf alles, was blöd war. Sondern auf die Frage: Was hat funktioniert, und was davon kann ich wiederholen? Vor einigen Jahren stellte sie fest, dass besonders die Entscheidungen gelungen waren, die sie aus ihrem Gefühl und ihrer Intuition heraus getroffen hatte. Daraus zog sie eine klare Konsequenz:

„Alles, was ich aus meiner Intuition heraus gemacht habe, hat funktioniert.“

Intuition ist nicht das Gegenteil von Verstand. Der Kopf darf mitdenken. Aber wenn der Verstand nur noch Risiken auflistet und das innere Gefühl dauerhaft überstimmt, wird es eng. Beate hört heute sehr bewusst auf ihren Bauch. Wenn sich etwas nicht stimmig anfühlt, muss sie es nicht machen, nur weil andere es erwarten.

Abgrenzen und Nein sagen

Abgrenzung wird noch immer schnell mit Egoismus verwechselt. Dabei ist sie oft schlicht gesunde Selbstachtung. Beate erinnert: Du musst nicht jeden Mist mitmachen. Du musst auch nicht die Erwartungen anderer erfüllen, wenn sie gegen dein eigenes Leben und deine Werte gehen. Ein Nein kann freundlich sein. Es kann ruhig sein. Es kann ohne lange Rechtfertigung ausgesprochen werden. Und es kann trotzdem endgültig sein.

Besonders schön ist ihre Antwort auf die Beschwerde eines Menschen, dem ihr Nein nicht gefiel:

„Man darf nur Fragen stellen, wenn man bereit ist, die Antwort zu hören.“

 

Warum viele Menschen sich selbst nicht mehr vertrauen

Viele Menschen haben verlernt, in sich hineinzuhören. Sie fürchten, dort etwas Unbekanntes zu entdecken. Natürlich gibt es in dir Dinge, die du noch nicht kennst. Das ist kein Grund, wegzulaufen. Es ist eine Einladung, neugierig zu werden. Beate nimmt sich dabei Kinder als Vorbild. Kinder fallen hin, schütteln sich und laufen weiter. Sie heben Steine hoch, weil darunter etwas Spannendes sein könnte. Vielleicht ist es eine Ameise, eine Schnecke oder eine Spinne. Sie wissen nicht, was kommt, aber sie schauen trotzdem.

Bei vielen Erwachsenen wurde diese Neugier durch Glaubenssätze überlagert: Das macht man nicht. Dafür bist du zu alt. Das kannst du nicht tragen. Das steht dir nicht. Das ist zu riskant. Beates Antwort darauf ist herrlich direkt. Als jemand sie einmal dafür bewunderte, dass sie sich als kräftigere Frau traue, eine starke Farbe zu tragen, sagte sie sinngemäß: Ihr Kleiderschrank schlage ihr morgens nicht auf den Kopf, nur weil sie etwas Buntes anziehe.

So kann Selbstvertrauen wieder wachsen: Du erlaubst dir in kleinen Dingen wieder, dein eigenes Ding zu machen.

Gefühle zulassen statt wegdrücken

Gefühle wegzudrücken kostet enorm viel Energie. Wut, Trauer, Angst, Enttäuschung oder Scham verschwinden nicht automatisch, nur weil du sie in einen inneren Koffer packst. Oft sammeln sie sich dort über Jahre an. Beate erzählt von einem Bild, das ihr im Kopf geblieben ist: Zwei Menschen steigen in einen Zug, jeder mit einem Koffer. Die Koffer kommen oben ins Gepäcknetz. Doch Kilometer für Kilometer öffnen sie sich ein Stück mehr, und irgendwann fällt der ganze Inhalt heraus.

So ist es nicht nur in Liebesbeziehungen. Im Kontakt mit anderen Menschen, im Job und im Leben überhaupt taucht nach und nach auf, was wir mitbringen. Alte Verletzungen, Muster, Ängste und ungelebte Bedürfnisse. Wenn du immer alles verpackst, wird der Koffer irgendwann proppevoll. Beate vergleicht das mit einem Schnellkochtopf. Wird er plötzlich geöffnet, kann die ganze Küche explodieren. Deshalb ist es hilfreicher, regelmäßig hinzuschauen, Gefühle zuzulassen und einzelne Themen vorsichtig herauszunehmen.

Niemand kann dir diese Arbeit vollständig abnehmen. Unterstützung kann wertvoll sein, aber den Schritt nach innen darfst du selbst gehen. Und oft kommt nach einer geknackten Nuss ein großer Entwicklungsschritt.

Warum sich unsere Arbeitswelt verändern wird

Beate ist überzeugt, dass sich die Arbeitswelt verändern wird und verändern muss. Das klassische 9-to-5-Modell, starre Präsenz und die Idee, dass Menschen einfach nur zu funktionieren haben, passen für viele nicht mehr. Gerade jüngere Generationen werden dafür oft kritisiert. Sie seien angeblich faul oder nicht belastbar. Beate sieht das differenzierter. Viele junge Menschen merken schlicht, dass sie ein anderes Umfeld brauchen.

Sie wollen Familie, Beruf, Gesundheit und Leben nicht mehr gegeneinander ausspielen. Sie wollen Sinn, Flexibilität und ein menschlicheres Miteinander. Das ist nicht automatisch bequem. Es kann auch ein wichtiger Impuls für eine überholte Arbeitskultur sein. Solche Veränderungen können uns triggern, weil sie uns zeigen, was wir selbst lange geschluckt haben.

Menschen auf Augenhöhe begleiten

In ihrer heutigen Arbeit begleitet Beate Menschen individuell. Ihr ganzheitlicher Ansatz verbindet aus ihrer Sicht Körper, Geist und Seele. Denn Herausforderungen kommen selten allein. Hinter Stress können körperliche Themen, alte Muster, fehlende Selbstwahrnehmung, Glaubenssätze oder ungelöste emotionale Erfahrungen stehen.

Je nach Situation arbeitet sie unter anderem mit Klangcodes, Herzöffnungsübungen, Persönlichkeitsmodellen, Gesprächen, Seelengesang und weiteren energetischen Methoden. Auch körperliche Aspekte bezieht sie in ihre Betrachtung ein. Für sie ist wichtig: Es gibt kein Programm nach dem Motto „Ich zeige dir jetzt, wie du zu sein hast“. Menschen sollen nicht passend gemacht werden. Sie sollen wieder bei sich ankommen.

Empathie statt Druck

Beates Erfahrung als Führungskraft prägt ihre Haltung bis heute. Im Callcenter ging es um Zahlen, Gespräche, Leistung und Zielvorgaben. Doch sie sah ihre Mitarbeitenden nie nur als Kennzahlen. Wenn morgens jemand zur Tür hereinkam und offensichtlich geweint hatte oder belastet war, wusste Beate: Diese Person braucht erst einmal zehn Minuten Aufmerksamkeit statt noch mehr Druck.

Sie erzählt von einer jungen Mitarbeiterin, die regelmäßig Stress mit ihrem Freund hatte. Wenn diese Frau sichtbar angeschlagen zur Arbeit kam, nahm Beate sie kurz zur Seite und fragte, was los sei. Weil sie wusste, dass ein Mensch nicht einfach auf Knopfdruck volle Leistung bringen kann, wenn innerlich gerade alles zusammenbricht. Beate machte bewusst weniger Druck, obwohl sie ihn eigentlich weitergeben sollte. Ihr Team erzielte trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, starke Ergebnisse und brach Rekorde. Ihr damaliger Chef fragte sie irgendwann, wie sie das mache. Ihre Antwort war typisch Beate: Sie höre nicht einfach auf ihn.

Die Menschen seien nicht dumm, sagte sie. Sie sehen die Zahlen, sie kennen ihre Ziele und sie wissen, wann es sportlich wird. Zusätzlicher Druck bringt selten das Beste hervor. Ein echter Blick auf das, was jemanden gerade hemmt, dagegen oft schon.

Besonders erschüttert war sie, als eine Mitarbeiterin nach dem Tod ihres Großvaters nach Hause gehen wollte und die Antwort bekam, er sei um fünf Uhr auch noch tot. Für Beate war klar: So geht man nicht mit Menschen um. Sie sorgte dafür, dass die Frau gehen konnte.

Empathie ist keine Gefühlsduselei. Sie ist eine Form von Führungskompetenz. Sie bedeutet nicht, jedes Problem der anderen zu deinem zu machen. Empathie bedeutet, wahrzunehmen, hinzuhören und Menschen ernst zu nehmen.

Wie man wieder bei sich selbst ankommt

Was kannst du tun, wenn dich eine Situation gerade komplett aus deiner Mitte zieht? Beate hat dafür einen einfachen inneren Trick: Stell dir ein Stoppschild vor. Dieses Stoppschild ploppt innerlich auf und sagt: Halt. Schau jetzt genauer hin. Was passiert hier gerade? Was macht diese Situation mit dir? Musst du sofort reagieren, oder darfst du erst einmal einen Schritt zurückgehen?

Beate beschreibt diesen Abstand mit einem Bild: Du sitzt innerlich entspannt im Kinosessel, legst die Füße hoch und betrachtest die Situation, statt mitten im Drama herumzurennen. Das kann ganz praktisch so aussehen:

  1. Halte kurz inne, sobald du merkst, dass du getriggert oder überrollt wirst.
  2. Stell dir innerlich ein Stoppschild vor.
  3. Atme bewusst und nimm, wenn möglich, auch körperlich etwas Abstand.
  4. Frage dich: Was passiert hier gerade wirklich?
  5. Komm mit deiner Aufmerksamkeit zurück in dein Herz und deinen Körper.
  6. Entscheide erst dann, ob du etwas sagen, gehen oder handeln möchtest.

Wenn Grenzen überschritten werden, darfst du das auch benennen. Du musst dafür nicht laut werden. Ein ruhiges „Das finde ich nicht in Ordnung.“ kann eine Situation bereits verändern. Viele Menschen sind es gar nicht mehr gewohnt, dass jemand klar spricht, ohne zu schreien.

Herzöffnung und Präsenz

Bei sich zu bleiben bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es heißt auch nicht, nie wieder traurig, wütend oder überfordert zu sein. Es bedeutet, bei sich zu bleiben, auch wenn das Leben ungemütlich wird.

Beates Weg zeigt, dass Veränderung nicht immer mit einem fertigen Plan beginnt. Manchmal beginnt sie mit einem körperlichen Stoppsignal. Manchmal mit einer tiefen Erfahrung. Manchmal mit dem Satz: Ich kann so nicht mehr weitermachen. Und dann geht es weiter. Mit einem kleinen Schritt, einem mutigen Nein, einer Pause, einem offenen Gespräch oder einer Entscheidung, die erst einmal nur in dir klar wird.

„Ich bestimme, was passiert, fertig.“

Das ist keine Aufforderung, alles kontrollieren zu wollen. Es ist eine Erinnerung daran, dass du wählen darfst, wie du mit deinem Leben, deiner Energie und deinen Grenzen umgehst. Das Außen wird nicht immer ruhiger. Aber du kannst lernen, innerlich wieder einen Ort zu haben, an dem du zu Hause bist.

 

🎧 Diese Folge gibt es auch im Podcast "Bewusst im Business".
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Q&A

  • Wie kann ich im Alltag schneller wieder bei mir ankommen?
    Lerne bewusst zu erkennen, wenn du gerade aus deiner Mitte gefallen bist. Stell dir dann ein inneres Stoppschild vor, atme durch und schaffe etwas Abstand zur Situation. Beates Bild von „Popcorn, Kino und Cola“ hilft dabei: Betrachte das Geschehen für einen Moment wie von außen, statt sofort hineinzuspringen.
  • Ist Nein sagen egoistisch?
    Nein. Ein Nein ist häufig ein Ja zu dir selbst, deiner Energie und deinen Grenzen. Egoistisch wäre es eher, von dir zu erwarten, dass du dein Leben dauerhaft nach den Vorstellungen anderer ausrichtest. Du kannst klar Nein sagen, ohne andere absichtlich zu verletzen.
  • Woran erkenne ich, dass ich überfordert bin?
    Warnzeichen können dauerhafte Müdigkeit, häufige Erkrankungen in Erholungsphasen, Gereiztheit, Schlafprobleme, fehlende Freude oder das Gefühl sein, nur noch zu funktionieren. Solche Signale sollten ernst genommen werden. Wenn du dich stark belastet fühlst, kann professionelle medizinische, therapeutische oder beratende Unterstützung wichtig sein.
  • Wie verhindere ich, nach einer großen Veränderung wieder im Hamsterrad zu landen?
    Neue Freiheit braucht einen guten Rahmen. Plane bewusst Pausen ein, überprüfe regelmäßig deine Prioritäten und frage dich, ob das, was du tust, noch zu dir passt. Selbstständigkeit oder ein neuer Job lösen alte Muster nicht automatisch. Struktur, Grenzen und ehrliche Selbstreflexion helfen dir, nicht wieder nur zu funktionieren.
  • Warum ist Empathie im Beruf so wichtig?
    Menschen sind keine Maschinen und keine bloßen Kennzahlen. Empathie bedeutet, wahrzunehmen, wenn es jemandem nicht gut geht, zuzuhören und respektvoll zu handeln. Das schafft Vertrauen und kann auch Leistung ermöglichen, weil sich Menschen gesehen und ernst genommen fühlen.
  • Wie kann ich meiner Intuition wieder mehr vertrauen?
    Beginne mit kleinen Entscheidungen und beobachte, wie sie sich anfühlen. Frag dich nicht nur, was logisch oder erwartbar ist, sondern auch: Was ist für mich wirklich stimmig? Ein Rückblick auf gelungene Entscheidungen kann dir zeigen, wann dein Gefühl dich bereits zuverlässig geführt hat.

 

Über Beate Müller-Seitz

Beate ist Gesundheitsberaterin mit ganzheitlichen Anwendungen, auch im Bereich der energetischen Gesundheit. Nachdem sie sich vor einigen Jahren aus ihrem „normalen“ Bürojob verabschiedet hat, erfuhr sie am eigenen Körper, was es bedeutet, energetisch frei, vollkommen und unabhängig zu sein. Mit diesem Wissen und ihren Erfahrungen unterstützt sie Menschen, um auch ihre Energien in den natürlichen Fluss zu bringen.

Besondere Erfolge erlebt sie dabei mit der Klangcodetherapie für „Atlas und Körper in Balance“ und mit der Trauma-, Allergie- und Suchtauflösung nach Roberto Antela Martinez.

Hier triffst du Beate:

 

Manchmal beginnt Veränderung mit einem Gespräch. Wenn du spürst, dass es Zeit ist hinzuschauen, melde dich für ein unverbindliches Klarheitsgespräch.

 

Wie geht's dir wirklich?

Im Außen funktioniert alles – und trotzdem fühlt sich etwas nicht mehr richtig an. Im Gespräch mit Svenja Neupert geht es um innere Leere, Wendepunkte im Leben und die Frage, wie wir wieder näher zu uns selbst finden.